was ist Minnesang ?  
   

Nebst Minneliedern sind auch andere Formen der weltlichen Dichtkunst tradiert: Der Spruchgesang, dessen Inhalte belehren und Missstände anklagen und die Leichdichtung, eigentlich mehr eine Form als inhaltliche Kunst, deren Inhalt Heldenlieder und Parabeln sind. Es gibt auch eine Fülle von geistlichen Leichen. Danebst kennt man auch die Niedere Minne mit ihren Tageliedern, wo das Liebespaar am nächsten Morgen Abschied nehmen muss, Kreuzzugslieder und Lieder über die Jahreszeiten. Die Formen sind nicht streng von einander zu trennen. Es sind beispielsweise Minneleiche überliefert.

Unter dem Begriff "Minne" versteht man im Mittelalter Zuneigung und Liebe im Sinne des griechischen "Agape".

So ist der Minnesang immer ein selbstloses Werben des Sängers um die unerreichbare Hohe Frowe.

 

 
 

Kleine Formenlehre

 

Wer sich für Poesie interessiert, dem dem eröffnet sich mit der mittelalterlichen Dichtkunst eine ganz neue und ungewohnte Welt. Neben der Leichform, die bis in unsere Zeit überlebt hat  -die Reime sind im Groben und Ganzen AA,BB,CC,DD...- kennt man in der mittelalterlichen Dichtkunst äusserst komplizierte Reimformen, zum Beispiel ABCD, DCBA oder ABCDE, ABCDE, so dass sich die Zeilenenden der Strophen auf einander reimen. Strophenübergreifende Reime sind sehr gebräuchlich. Man spricht dann von "Körnern". Ganz allgemein hat der mittelalterliche Dichter eine Fülle von Formen zur Auswahl und ist keineswegs an eine bestimmte Anzahl Hebungen pro Zeile gebunden, diese aber müssen dann im zweiten Stollen wiederkehren. (Stollen: Die ersten beiden Teile des Aufgesangs, welche identisch gebaut sind. Der Abgesang vervollständigt die Strophe. Alles zusammen, also die Einheit von Form, Text und Melodie bezeichnet man als "Don"). Man begegnet der Form Stollen-Stollen- Abgesang sehr häufig, die heutige Liedform mit Strophe und Refrain ist noch wenig verbreitet. Durchkomponierte Melodien mit wenig Wiederholungen des Tonmaterials erscheinen dagegen sehr häufig. Noch nie bin ich in der Minnedichtung einer "Bridge" begegnet, wie man sie in fast jedem Rockmusikstück antrifft.

 

 
       
 

Neben den weltbekannten Sängern Walther von der Vogelweide und Neidhardt von Reuenthal möchte ich dem interessierten Leser auch die eher unbekannten Dichter Steinmar und Otto zum Turm empfehlen, sie können - behaupte ich- den erstgenannten durchaus das Wasser reichen.

 

 

Anfangs des 14. Jh lebten in Rapperswil drei Minnesänger: Der Burgherr Graf Wernher von Hohenberg, sein Stadtmarschall Albrecht und der Ritter Otto zum Turm. In der Manessischen Handschrift sind ihre Gedichte überliefert.  Sie wurden vertont mit den 700jährigen Melodien aus der Colmarer-, Jenaer- und der Donaueschinger Handschrift.

 

 
                     
 

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